Es gibt Regen, bei dem man noch optimistisch ohne Kapuze losgeht. Und es gibt Regen, bei dem der Hund nach den ersten fünfhundert Metern aussieht, als hätte er unterwegs spontan beschlossen, schwimmen zu gehen. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie wasserdicht ein Hundemantel eigentlich wirklich sein sollte. Wer sich auf die Suche macht, stößt ziemlich schnell auf Angaben wie 10.000, 20.000 oder sogar 30.000 mm Wassersäule. Klingt beeindruckend. Nur: Was bedeutet das für den Spaziergang im Regen? Braucht ein Hund wirklich 30.000 mm? Und kann ein Mantel mit einer hohen Wassersäule trotzdem an anderer Stelle Schwächen haben? Genau hier lohnt sich ein genauerer Blick, denn eine große Zahl auf dem Etikett erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Wasserabweisend oder wasserdicht? Ein kleiner Unterschied mit ziemlich großer Wirkung
Beginnen wir mit zwei Begriffen, die gerne durcheinandergeworfen werden. Ein wasserabweisender Stoff soll Wasser zunächst davon abhalten, in das Material einzudringen. Regentropfen können auf der Oberfläche abperlen und ein kurzer Schauer muss noch lange kein Problem sein. Mit zunehmender Dauer und steigendem Druck kann Feuchtigkeit allerdings durch das Material gelangen.
Bei einem wasserdichten Material geht es dagegen um einen messbaren Widerstand gegen das Eindringen von Wasser. Dafür werden Stoffe unter kontrollierten Bedingungen geprüft. Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Kleidungsstück aus einem solchen Stoff automatisch überall gleich wasserdicht ist. Ein fertiger Hundemantel besteht schließlich nicht nur aus einem Stück Stoff. Er hat Nähte, Verschlüsse, Öffnungen und einen Schnitt, über die Wasser ebenfalls seinen Weg finden kann. Bei professioneller Regenbekleidung wird deshalb neben dem Material auch die Konstruktion des fertigen Kleidungsstücks betrachtet.
Für den Alltag mit Hund bedeutet das: Die Angabe „wasserdicht“ sollte nicht nur hübsch in der Produktbeschreibung stehen. Interessant wird es dann, wenn nachvollziehbar ist, wie wasserbeständig das verwendete Material tatsächlich ist.
Was bedeutet die Wassersäule bei einem Hundemantel?
Und damit sind wir bei dieser etwas seltsamen Zahl, die auf den ersten Blick eher nach Sanitärtechnik als nach Hundebekleidung klingt.
Die Wassersäule ist ein Maß dafür, welchem Wasserdruck ein Material widerstehen kann, bevor Wasser hindurchtritt. Beim sogenannten hydrostatischen Drucktest wird eine Stoffprobe zunehmend mit Wasserdruck belastet. Der gemessene Wert wird häufig in Millimetern Wassersäule angegeben. Je höher der Wert ausfällt, desto größer ist also der Widerstand des Materials gegen eindringendes Wasser. ISO 811 beschreibt ein solches Prüfverfahren für Textilien.
10.000 mm Wassersäule entsprechen vereinfacht dem Druck einer zehn Meter hohen Wassersäule. Bei 20.000 mm sind es entsprechend zwanzig Meter, bei 30.000 mm dreißig Meter. Keine Sorge: Für den Produkttest wird natürlich kein dreißig Meter hoher Wasserturm auf einen Hundemantel gestellt. Im Labor wird lediglich der entsprechende Druck erzeugt.
Für unsere Hundemäntel sieht das beispielsweise so aus:
| Wassersäule | Was der Wert beschreibt | Beispiel |
|---|---|---|
| 10.000 mm | Widerstand entsprechend einer 10 m hohen Wassersäule | KAYDEN |
| 20.000 mm | Widerstand entsprechend einer 20 m hohen Wassersäule | EASTON |
| 30.000 mm | Widerstand entsprechend einer 30 m hohen Wassersäule | DUKE und TRAIL |
Dabei ist eine Sache besonders wichtig: 30.000 mm bedeuten nicht, dass ein Mantel dreimal so lange trocken hält wie einer mit 10.000 mm. Die Wassersäule ist ein Laborwert und keine Wettervorhersage. Wie gut ein Mantel draußen funktioniert, hängt zusätzlich davon ab, wie er verarbeitet ist, wie lange der Hund unterwegs ist, wie Regen und Wind auf das Material treffen und wie gut der Mantel den Körper abdeckt. Auch bei Outdoorbekleidung lassen sich Wassersäulenwerte deshalb nicht einfach in eine bestimmte Anzahl Minuten oder Stunden Regen übersetzen.
Wie viel Wassersäule braucht ein Hunderegenmantel wirklich?
Die vielleicht etwas unbefriedigende, aber fachlich richtige Antwort lautet: Es gibt nicht die eine Zahl, die für jeden Hund und jeden Spaziergang richtig ist.
Ein Hund, der hauptsächlich seine täglichen Runden durch die Stadt dreht, stellt andere Anforderungen an seinen Regenmantel als ein Hund, der auch bei Dauerregen mehrere Stunden über Waldwege und Trails läuft. Gleichzeitig wäre es zu einfach, ausschließlich nach dem größten verfügbaren Wert zu greifen. Ein sehr hoher Widerstand gegen Wasser ist ein starkes Leistungsmerkmal, macht einen Mantel aber nicht automatisch für jeden Einsatzzweck besser.
Bei KAYDEN setzen wir beispielsweise auf 10.000 mm Wassersäule und einen bewusst leichten Aufbau. DUKE und TRAIL sind mit 30.000 mm deutlich stärker auf anspruchsvollen Wetterschutz ausgerichtet. Genau deshalb ist es sinnvoller, den Einsatzzweck des Mantels zu betrachten als einen Wettbewerb nach dem Motto „Wer hat die größte Zahl?“ zu veranstalten.
Wer einen wasserdichten Hunderegenmantel sucht, sollte deshalb zuerst überlegen, wann er zum Einsatz kommen soll. Für die kurze Morgenrunde bei Nieselregen sind andere Reserven gefragt als für lange Spaziergänge bei Dauerregen. Die Wassersäule hilft bei dieser Einschätzung, sie sollte aber immer gemeinsam mit Schnitt, Materialaufbau und Ausstattung betrachtet werden.
Tipp: Wenn du grundsätzlich wissen möchtest, wann ein Hunderegenmantel sinnvoll ist und worauf du bei der Auswahl achten solltest, findest du dazu alles in unserem ausführlichen Ratgeber.
Warum 30.000 mm allein noch keinen guten Regenmantel machen
Stellen wir uns einen Mantel aus einem fantastischen wasserdichten Stoff vor, der auf dem Rücken perfekt schützt, am Bauch aber praktisch offen ist. Auf einem frisch beregneten Waldweg dauert es wahrscheinlich nicht lange, bis das Wasser von unten genau dort landet, wo kein Schutz vorhanden ist.
Deshalb ist bei einem wasserdichten Hundemantel mit Bauchschutz nicht nur das Außenmaterial interessant. Gerade Brust, Bauch und die unteren Flanken bekommen beim Laufen durch nasses Gras, Pfützen und aufgeweichte Wege einen beträchtlichen Teil des Spritzwassers ab. Ein sinnvoller Schnitt berücksichtigt diese Bereiche, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.
Ähnliches gilt für Geschirröffnungen. Wer das Geschirr unter dem Mantel trägt, braucht einen vernünftigen Zugang zum Befestigungspunkt. Eine große, ungeschützte Öffnung im Rücken wäre bei starkem Regen allerdings wenig hilfreich. Deshalb setzen wir bei verschiedenen Modellen beispielsweise auf wasserdichte Zweiwege-Reißverschlüsse, die den Zugang zum Geschirr ermöglichen und gleichzeitig den Wetterschutz möglichst wenig unterbrechen.
Auch die Passform spielt hier hinein. Ein Hunderegenmantel darf beim Laufen nicht ständig verrutschen, sollte aber ebenso wenig an Schulter oder Brust einengen. Bei der Prüfung professioneller Regenbekleidung zeigt sich genau dieses Prinzip: Gute Wasserbeständigkeit entsteht aus dem Zusammenspiel von Material, Nähten und Konstruktion des gesamten Kleidungsstücks, nicht allein durch den Messwert des Oberstoffs.
Oder kürzer gesagt: Ein sehr wasserdichter Stoff ist hervorragend. Ein durchdachter Mantel aus diesem Stoff ist besser.
Wasserdicht und atmungsaktiv: Warum ein guter Hundemantel beides können sollte
Nun könnte man meinen: Wenn möglichst wenig Wasser hinein soll, machen wir das Ganze einfach maximal dicht. Problem gelöst.
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Bei funktionaler Regenbekleidung müssen zwei Dinge gleichzeitig funktionieren. Flüssiges Wasser soll von außen möglichst nicht durch das Material gelangen, während Wasserdampf und Wärme nach außen abgegeben werden können. Genau deshalb werden Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität bei hochwertigen Funktionsmaterialien getrennt betrachtet.
Beim Hund ist das Thema etwas anders als beim Menschen. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur nicht durch großflächiges Schwitzen über die Haut, sondern vor allem durch Hecheln; Schweißdrüsen spielen hauptsächlich an den Pfoten eine Rolle. Trotzdem entsteht unter einem Mantel bei Bewegung Wärme, und auch Feuchtigkeit im Fell oder eine sehr dichte Materialkonstruktion kann das Klima unter der Bekleidung beeinflussen. Ein wasserdichter und atmungsaktiver Hundemantel sollte deshalb Wetterschutz bieten, ohne den Hund unnötig warm einzupacken oder Feuchtigkeit einzuschließen.
Gerade bei aktiven Hunden ist das relevant. Ein leichter Hunderegenmantel soll schließlich Regen draußen halten und nicht aus der Gassirunde einen mobilen Saunagang machen. Deshalb arbeiten wir bei unseren Regenmänteln unter anderem mit leichten, feuchtigkeitsregulierenden Innenmaterialien wie COOLMAX®. Bei einem Wintermantel sieht die Sache wiederum anders aus, denn dort ist zusätzliche Wärme ausdrücklich Teil der Aufgabe.
Und genau an diesem Punkt wird deutlich, warum Wasserdichtigkeit allein noch nicht beantwortet, welcher Hundemantel der richtige ist.
Hunderegenmantel oder wasserdichter Hundewintermantel?
Ein Regenmantel und ein Wintermantel können beide wasserdicht sein und trotzdem völlig unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Ein Hunderegenmantel ist vor allem für Nässe und Wind gedacht. Er kann bewusst leicht aufgebaut sein, damit der Hund auch bei milderen Temperaturen oder während aktiver Spaziergänge nicht unnötig stark isoliert wird. Ein Hundewintermantel kombiniert Wetterschutz dagegen mit Wärme. Dort kommen zusätzlich isolierende Materialien ins Spiel, die den Körper bei niedrigen Temperaturen schützen sollen.
Die Wassersäule verrät uns deshalb nichts darüber, wie warm ein Mantel ist. Ein leichter Regenmantel mit 30.000 mm kann deutlich weniger isolieren als ein gefütterter Wintermantel mit 20.000 mm. Beim EASTON kommt beispielsweise zum wasserfesten Außenmaterial ein wärmendes Thermofleece hinzu. Das ist ein anderes Produktkonzept als bei einem leichten Regenmantel und soll es auch sein.
Besonders bei Kälte spielt zudem der einzelne Hund eine Rolle. Fellstruktur, Körperbau, Größe, Alter, Aktivität und Wetterbedingungen beeinflussen gemeinsam, ob zusätzliche Isolation sinnvoll ist. Eine feste Temperaturgrenze, ab der jeder Hund automatisch einen Wintermantel benötigt, gibt es daher nicht. Auch veterinärmedizinische Empfehlungen weisen darauf hin, dass beispielsweise kleine, sehr schlanke, kurzhaarige oder ältere Hunde bei Kälte eher zusätzlichen Schutz benötigen können.
Wenn es also fünf Grad hat und in Strömen regnet, lautet die entscheidende Frage nicht nur „Wie wasserdicht ist der Mantel?“, sondern ebenso „Braucht mein Hund zusätzlich Wärme?“ Erst beide Antworten zusammen führen zum passenden Modell.
In unserer Auswahl an Hundemänteln für unterschiedliche Wetterlagen findest du sowohl leichte Regenmäntel als auch wärmende Wintermäntel und weitere Hundebekleidung für unterschiedliche Einsatzzwecke.
Tipp: Welche Faktoren dabei entscheidend sind und ab welcher Temperatur ein Hundemantel sinnvoll sein kann, erklären wir in unserem separaten Ratgeber genauer.
Muss eigentlich jeder Hundemantel wasserdicht sein?
Nein. Und genau das wird bei Hundebekleidung erstaunlich häufig vergessen.
Ein guter Hundemantel ist nicht automatisch derjenige mit der höchsten Wassersäule. Er ist derjenige, dessen Material zu seiner Aufgabe passt. Ein Hundepullover aus Fleece soll in erster Linie zusätzliche Wärme bieten und dabei weich und beweglich bleiben. Für trockene, kühle Tage kann das genau die richtige Lösung sein. Ihn wasserdicht machen zu wollen, würde seinen eigentlichen Charakter verändern.
Ein saugstarker Hundebademantel verfolgt sogar das umgekehrte Prinzip. Er kommt zum Einsatz, wenn der Hund bereits nass ist. Saugfähiges Material soll Feuchtigkeit aus dem Fell aufnehmen und den Hund beim Trocknen einpacken. Eine wasserdichte Außenschicht wäre hier nicht nur unnötig, sondern würde dem eigentlichen Zweck widersprechen.
Wasserdichtigkeit ist also kein allgemeines Qualitätssiegel für Hundebekleidung. Sie ist eine Funktion, und diese Funktion sollte genau dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht wird.
Worauf solltest du bei einem wasserdichten Hundemantel achten?
Wenn du einen Hundemantel für Regen und nasses Wetter suchst, lohnt sich deshalb ein Blick über die große Zahl auf dem Etikett hinaus. Die Wassersäule zeigt dir, wie widerstandsfähig das Material gegenüber Wasserdruck ist. Danach kommt aber der Praxisteil: Deckt der Mantel Rücken, Brust und Bauch sinnvoll ab? Kann sich dein Hund frei bewegen? Ist das Modell für ein Geschirr geeignet? Wie sind Öffnungen und Verschlüsse konstruiert? Ist das Material atmungsaktiv genug für den geplanten Einsatz? Und handelt es sich um einen leichten Regenschutz oder um einen gefütterten Mantel für Winterwetter?
Ein gut konstruierter Regenmantel muss diese Punkte zusammenbringen. Das ist am Ende deutlich wichtiger, als sich ausschließlich zwischen 10.000, 20.000 und 30.000 mm zu entscheiden.
Fazit: Die Wassersäule ist wichtig, aber sie ist nicht die ganze Geschichte
Die Wassersäule ist eine der wenigen Angaben, mit denen sich der Widerstand eines Stoffes gegen eindringendes Wasser tatsächlich greifbar machen lässt. 10.000, 20.000 oder 30.000 mm sind also keineswegs reine Marketingzahlen. Sie sagen etwas darüber aus, wie viel hydrostatischem Druck ein Material im Test standhält.
Beim Hundemantel beginnt die eigentliche Kaufentscheidung aber erst danach. Ein leichter Regenmantel braucht andere Eigenschaften als ein warmer Wintermantel. Bauchschutz kann bei Spritzwasser genauso entscheidend sein wie die Wassersäule des Rückenmaterials, und gerade bei aktiven Hunden sollte neben dem Wetterschutz auch die Atmungsaktivität stimmen.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht: „Welche Wassersäule ist die beste?“
Sondern:
„Welcher Mantel schützt meinen Hund bei genau dem Wetter und der Aktivität, für die wir ihn brauchen?“
Wer diese Frage beantworten kann, ist der richtigen Wahl schon ziemlich nah.